Islamische Religionspädagogik am Institut für islamisch-theologische Studien

Ramadan und Schule

Anmerkungen zum Umgang mit religiöser Diversität

Prof. Dr. H. Harry Behr wird diesen Online-Vortrag am Freitag, 23.04.2021 um 18.00 Uhr abhalten.

Alle Jahre wieder, nur jedes Mal um rund 12 Tage zeitversetzt, erreicht auch die öffentlichen Schulen in Österreich das Phänomen des Fastens im Ramadan, dem neunten Monat gemäß dem islamischen Mondkalender. Gleichsam ritualisiert, aber mit Jahr um Jahr leicht gesteigerter Intensität, entfaltet sich eine gewisse Veraufregung um eine Sache, die anders als das österreichische Schulsystem auf eine annährend 1.600 Jahre währende Tradition blickt – wenn nicht sogar ein paar Jahrhunderte mehr, folgt man dem derzeitigen Forschungsstand um die Ursprünge des religiösen Fastens. Es sind diese gemeinsamen Ursprünge, die auf ähnliche Praxen im Judentum und im Christentum verweisen. Was die alltägliche Organisation des schulgemeinschaftlichen Zusammenlebens angeht, macht der Ramadan natürlich das, was Religionen nun mal tun: sich quer zum System legen, ein Korrektiv bereitstellen, eine Zäsur setzen und das was von der Aufdringlichkeit des Tages verdrängt wird wieder zurück ins Blickfeld holen – Ästhetik, Spiritualität und Verlangsamung etwa. Übrigens auch Gesundheit.

Von Seiten der Schule allerdings assoziiert sich der Ramadan zuvörderst mit anderen Wahrnehmungen: Ausnahmetatbestände mit Konfliktpotenzial, ohnmächtige Pubertierende, radikalisierte Schulhofdiskurse oder schlechte Leistungen. An dieser Spannungsfuge zwischen Wertschätzung und Verpolizeilichung des islamischen Fastenmonats entzündet sich indes ein tiefer liegender Konflikt, und zwar der um die Sichtbarwerdung einer als fremd markierten Lebensweise. Und genau genommen verweist das wiederum auf einen Diskurs höherer Ordnung, der aber nicht richtig geführt wird: Wie möchte die österreichische Gesellschaft künftig das Zusammenleben auch mit Blick auf die in ihr vorfindliche und vor allem sichtbare religiöse Diversität gestalten? Welche religionspolitische Vision steht im Raum und wie wird sie verhandelt? Der Ramadan böte nämlich Gelegenheit, Methode und Motiv, einmal anders als gewohnt miteinander ins Gespräch zu kommen. All das, und dass schon der Koran auf diese Konfliktlinien verweist und Lösungsansätze vorschlägt, soll im Rahmen der Veranstaltung zur Sprache kommen.


Link zum Vortrag: https://us02web.zoom.us/j/86739220096?pwd=ZnBBSGUrSW90VXQ1eXh4S1BkSkttQT09

Meeting-ID: 867 3922 0096
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